Der Job spielt eine zentrale Rolle für das Lebensglück

Hier im Blog haben wir uns bereits mit dem Thema befasst, was Glück durch Arbeit bedeutet und warum es so wichtig ist. Auch in der Presse wird das Thema aktuell und immer wieder diskutiert – drei Sichtweisen auf das Thema möchte ich in diesem Beitrag vorstellen.

 

Noch einmal zurück: Arbeit und Glück – passt das überhaupt zusammen, fragen Kritiker. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass es nicht Arbeit ist, die im Leben unzufrieden macht, sondern Arbeitslosigkeit (Mangel an Ansehen, fehlende soziale Kontakte, ausbleibende Strukturierung des Tages und Sinnstiftung). Meist wird im Gegenteil nur noch das Wohl der Familie und die eigene Gesundheit als wichtiger für das Lebensglück erachtet, schon danach wird die richtige Erwerbstätigkeit als Quelle des Glückes genannt! Zur Arbeit zu gehen soll heute nicht nur die Familie ernähren, sondern auch noch zur eigenen Selbstverwirklichung beitragen. So weit so gut.

 

Doch ganz so einfach ist es leider nicht. Es reicht nicht aus, einfach in einem Arbeitsverhältnis zu stehen. Und interessant ist: Männer wählen im Gegensatz zu Frauen eher lukrative Berufe, obwohl erwiesen ist, dass das Glück nicht an Geld gekoppelt ist. Schlechter bezahlte Wissenschaftler wiederum, oftmals nur projektbezogen beschäftigt, sind jedoch eher zufrieden als die Gruppe der gutverdienenden Manager! Weiterhin ist bekannt, dass Teilzeit und flexible Arbeitszeiten zufriedener machen,  als der gewöhnliche 9 to 5 Job. Gründe dafür liegen in dem Gefühl, dass man sich auf diese Weise eher selber treu bleiben kann und spürt, dass man sein Leben selbst in der Hand hat. Was also ist dem Glück auf der Arbeit nun abträglich und wodurch wird es beflügelt?

 

1. Für Howard Gardner (Psychologieprofessor an der Havard Universität) in einem Interview mit Die ZEIT (Nr. 44 vom 24. Oktober 2013) ist die überraschendste Erkenntnis, dass Journalisten (trotz aller Freiheiten der oftmals freiberuflichen Tätigkeit) mit ihrem Beruf unzufrieden sind. Anders als etwa Genforscher, die der Überzeugung sind, dass sie für ihre Mitmenschen nützliche Arbeit leisten. Journalisten verzeifeln daran, dass ständig verschiedene Ziele kollidieren: Einerseits der ständige Zeitdruck, unter dem sie schreiben, mit dem Anspruch eine fundierte Geschichte zu bringen – und der Wunsch der Leserschaft nach knalligen Stories. Dies geht aus einer Langzeitstudie über Berufe hervor, die Gardner im Jahr 1995 im Rahmen eines Forschungsprojektes (Good Work Project) leitete. Untersucht wurden Faktoren, die glücklich bei der Arbeit machen. Für ihn liegt die Antwort auf die Frage Wie werde ich ein glücklicher Arbeitender? In den „drei E“ – Exzellenz, Ethik und Engagement:

 

Exzellenz bedeutet, kompetent und effektiv sein im Beruf. Ethik bezieht sich auf die soziale Verantwortung: Haben Ihre Arbeit, Ihr Verhalten und das Produkt, das Sie herstellen, positive Auswirkungen auf andere? Engagement heißt: Gehen Sie auf in Ihrer Arbeit, werden Sie gefordert, macht Ihnen Freude, was Sie tun? […] Es ist nicht wichtig, was Sie machen, sondern wie Sie es machen. Wichtig ist es, einen Sinn in dem zu finden, was man tut.“

 

Jungen Arbeitnehmern rät er, sich als Leitlinie für Zufriedenheit im Beruf analog an den „drei M“ zu orientieren – Mission, Models, Mirror:

 

„Wenn ich mich selbst im Spiegel anschaue – als Arbeitender – bin ich stolz auf mich? Wenn alle in meinem Beruf so wären wie ich – würde ich in dieser Gesellschaft leben wollen?“

 

2. Der bekannte Arzt, Komiker und Moderator Eckard von Hirschausen sagt: “The Brain runs for fun.“ Wer sein Geld mit geistiger Arbeit verdient, sollte es seinem „Leistungsträger Gehirn“ so leicht wie möglich machen, gut zu arbeiten. Unternehmen sollten daher gezielt versuchen „die kreative und spielerische Ader ihrer Mitarbeiter zu fördern und auch den Humor ernst nehmen.“ Sein Tipp:

 

„Tun Sie Dinge um ihrer selbst willen. Als ich als Kind mit der Zauberei anfing und Witze sammelte, hatte ich keine Ahnung, ob das mal zu etwas nützlich sein wird. Und als ich diese Fähigkeiten mit meiner medizinischen Kompetenz verbinden konnte, gab es einen neuen Beruf: medizinisches Karbarett. Leben kann man nur vorwärts, verstehen kann man es nur rückwärts.“

 

In einem Interview gibt er bezogen auf die Arbeitswelt an, dass es vor allem Gefühle „von wenig eigenem Gestaltungsspielraum, geringer Wertschätzung und Sinnlosigkeit“ seien, die unglücklich machen. „Glückliche Arbeitnehmer sind Arbeit-Geber. Sie geben ihr Bestes, nutzen ihre Talente und Fähigkeiten, bekommen Rückmeldungen und lernen dazu“. 

Um glücklich an seinem Arbeitsplatz zu sein, geht es außerdem darum, eine Balance zwischen gezielter Herausforderung und Entspannung zu finden, aber die Verantwortung dafür nicht (allein) an das betriebliche Gesundheitsmanagent zu schieben, sondern selbst die Verantwortung für sein (Lebens-)glück zu tragen. Im o.g. Interview zitiert von Hirschhausen Victor Frankl (Begründer der Logotherapie und ehem. KZ-Häftling):

„Die größte Freiheit des Menschen […] besteht darin, in jeder Situation seine Haltung selbst zu bestimmen. Und um diese mentale Freiheit im Kopf geht es, die ist zum Glück auch trainierbar.“ Also unabhängig von äußeren Bedingungen selbst für sein Wohlbefinden zu sorgen.

 

3. Ziemlich nahe ist man dem Glück während eines Flow-Erlebnisses. Flow wird als ein unbewusst hervorgerufener, sinnlicher Zustand höchster Klarheit verstanden, in dem der Betroffene vollständig mit sich und seiner Tätigkeit verschmilzt. Betroffene gehen dann ganz in ihrer Tätigkeit auf und genau dieser Zustand ist es, der auch im Job zu Höchstleistungen verhilft: „Durch Flow-Erleben kann Arbeit zu etwas werden, in dem man aufgehen und Spaß haben kann.“ Und das wiederum ist ja die Voraussetzung dafür, dass das Gehirn auf Hochtouren läuft. Diesen Zustand kann man nicht auf Knopfdruck herstellen und der normale Arbeitsalltag erschwert das Erleben von Flow eher (vgl. ManagerSeminare November 2013; Heft 188). Jeder kann jedoch etwas dafür tun, dem Flow näher zu kommen. Es geht dann wieder um die oben beschriebene eigene Haltung: Möglichst offen an (neue) Aufgaben herangehen und damit zur Problemlösung einen „neutralen Zustand herstellen, in dem keine Affekte und Erwartungen die begrenzte Aufmerksamkeit blockieren“. Ziel ist es, ein Stück Ungefangenheit zurück zu gewinnen, die dem Glück bei der Arbeit nur förderlich sein kann…

 

 

Literaturtipps:

 

Mihaly Csikszentmihalyi: Flow im Beruf. Das Geheimnis des Glücks am Arbeitsplatz. Klett-Cotta, Stuttgart 2012 (22,95 Euro)

 

Howard Gardner; Mihaly Csikszentmihalyi; William Damon: Good Work – When Excellence and Ethics Meet. Basic Books, New York 2001

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