Weibliche Führungskräfte per Gesetz? Keine gute Idee!

Seit Juni 2014 befindet sich der Gesetzentwurf zur Frauenquote in der Ressortabstimmung. Er sieht unter anderem vor, dass in börsennotierten Unternehmen 30% der Aufsichtsräte weiblich sein müssen. Wann das Gesetz verabschiedet wird, ist bislang offen. Obwohl die Quote im Koalitionsvertrag steht, scheinen sich die Koalitionspartner nach wie vor über die Sinnhaftigkeit des Vorhabens uneinig zu sein. Die einen feilschen im Hintergrund um jede Formulierung, die anderen fordern mit Verweis auf die angespannte wirtschaftliche Lage die Verschiebung des ganzen Projekts. Wäre es da nicht generell besser, auf die Frauenquote zu verzichten? Ich meine, ja.

 

Sicher, die nackten statistischen Zahlen sprechen ganz klar für die Durchsetzung einer Quote. Wenn nur rund drei Prozent der Vorstandsposten von Frauen besetzt sind, spiegelt das weder die gesellschaftliche Geschlechterverteilung wider, noch zeigt es, wie einflussreich Frauen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wirklich netzwerken.

 

Etwas mehr als eine Handvoll Frauen in den Vorständen der 30 Dax-Unternehmen ist in der Tat zu wenig!

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Natürlich sollen Frauen die gleichen Möglichkeiten wie Männer haben, Verantwortung in Unternehmen, Vereinen, Parteien oder im öffentlichen Dienst zu übernehmen. Doch würde der Gesetzesentwurf in seiner jetzigen Form diesem Ziel zuträglich sein? Nein, denn nach langen Debatten hat man sich darauf geeinigt, dass in den rund einhundert börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen Deutschlands 30 Prozent der Vorstandsposten und Aufsichtsratsplätze an Frauen gehen müssen. Bei weiteren 3500 größeren Unternehmen (abhängig von der Mitarbeiterzahl) werde ab 2015 wohl eine flexible Lösung eingeführt. Zudem wird im öffentlichen Dienst und in staatlichen Unternehmen eine paritätische Lösung angestrebt. Wohlgemerkt, das Statistische Bundesamt zählt in Deutschland über 3,6 Millionen steuerpflichtige Unternehmen. Betrachtet man diesen großen Teil und deren Anteil an weiblichen Führungskräften, ergibt sich nämlich eine ganz andere Situation. In einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes von 2012 war jeder dritte Führungposten weiblich besetzt – gemeint sind damit Frauen, welche die Geschäfts­führung kleiner Unter­nehmen, die Geschäfts­führung oder Bereichs­leitung großer Unter­nehmen sowie leitende Positionen im Verwaltungs­dienst inne haben. Gemessen an der Erwerbstätigenquote von Frauen, die 1990 bei etwas über 50% und 2013 bei 72% lag, ist das kein schlechter Schnitt.

 

Betrachtet man die Frage der Frauenquote aus dieser Perspektive, kann man das Gesetzesvorhaben schon vor Inkrafttreten als gescheitert bezeichnen. Keineswegs habe ich etwas gegen Frauen in Dax-Unternehmensvorständen. Sie bringen einen Perspektivwechsel in die Unternehmen, haben einen anderen Führungsstil, sind Innovationsträger, verändern Unternehmenswerte und pflegen einen anderen Umgang im Wettbewerb. Das alles sind wichtige Signale, aber eben auch nicht mehr.

 

Die Emanzipation des Mannes ist der Schlüssel zu mehr Frauen in Führungspositionen

Die Frauenquote braucht man nicht, weil sie gut gemeint, aber schlecht gemacht und gedacht ist. An den täglichen Problemen vieler Arbeitnehmer, egal welchen Geschlechts, geht sie nämlich vorbei. Dass es zu wenig Frauen und zu viele Männer in Führungspositionen gibt, ist eindeutig der Tatsache geschuldet, dass es Männern bisher nicht gelungen ist, sich aus den Zwängen der gesellschaftlichen Geschlechtszuschreibungen zu befreien. Vor über 130 Jahren war man noch der festen Überzeugung, dass Geschichte von Männern gemacht werde. Das dem nicht so ist, dafür ist Deutschland leuchtendes Beispiel: Hier wird sogar das Militär von einer Frau geführt.

 

Vater mit Kind - Elternzeit Männer, die sich Zeit für ihre Familie nehmen und bspw. Elternzeit wahrnehmen, werden öffentlich für Ihre Einstellung gelobt. Hinter vorgehaltener Hand spricht man gern von „Hausmännern“, raunt sich verschwörerisch zu, dass in der Partnerschaft wohl jemand anderes die „Hosen anhabe“ oder noch schlimmer, spricht Vätern die Kompetenz der Kinderbetreuung ab. Ich kenne einige Beispiele, in denen Vätern nach ihrer Elternzeit der Wiedereinstieg in das Berufsleben durch Mobbing schwer gemacht wurde. Noch nie habe ich von Frauen gehört, die wegen ihres Mutterschaftsurlaubes oder der Inanspruchnahme der Elternzeit schräg angesehen worden.

 

Was wir also brauchen, ist keine Frauenquote, sondern ein Umdenken in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Politische Leitlinie sollte es sein, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erhöhen. Männer sollten gegen ihre Rollenklischees aufbegehren, müssen sich aber darauf verlassen können, gesellschaftlichen Rückhalt zu behalten. In der Wirtschaft sind beispielsweise flexiblere Arbeitszeiten, Projektarbeit, weniger Argwohn und mehr Vertrauen in die Mitarbeiter, die im Home Office arbeiten, gefragt. Dann klappt es auch mit den Frauen in Führungspositionen.

 

Volker Neumann von careers4women hat mich auf den eigenen Artikel aufmerksam gemacht, der zwar schon etwas älter ist, aber interessante Argumente gegen einen Quotenregelung vorbringt.

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