Wie führen SIE eigentlich?

Am liebsten gut – aber wann ist Führung gut und woran merken Sie das? Im folgenden Gastbeitrag von Marcus Stobbe erfahren Sie, welche Führungsstile man unterscheiden kann. Welche Vor- und Nachteile sich daraus ergeben und wie Sie Ihren eigenen Führungsstil erkennen können.

 

In Ihrer Position als Führungskraft gibt es natürlich Themen und Aufgaben, die Sie alleine durchdenken und managen. Bei der folgenden Betrachtung bleiben diese aber außen vor. Für die Selbstreflexion sind nur die Situationen interessant, in denen Sie mit Ihren Mitarbeitern interagieren.

 

Einfach mal laufen lassen …

Ist es bei Ihnen so, dass Sie quasi Ihr bester Sachbearbeiter sind oder einen eigenen Kundenkreis haben, um den Sie sich kümmern? Oder sind Sie z.B. Teamleiter für ein Außendienst-Team, welches sich alle 2-4 Wochen in einem Meeting austauscht? In den meisten Fällen agieren Sie, wenn ein Mitarbeiter sich bei Ihnen meldet oder durch eine Verschiebung von Planungen Mitarbeiter informiert oder um Mehrarbeit gefragt werden? Dieses reaktive Verhalten ist auch bekannt als Laissez-faire-Stil. Es hat für das Unternehmen den Vorteil, dass Sie an dieser Stelle Themen managen. Nachteilig wirkt sich aus, dass Sie manchmal gar nicht wissen, wie Ihre Leute vor Ort arbeiten, was ihre Schwächen sind und wie Sie persönlich helfen können, diese zu beheben.

 

Wer das Ziel kennt, kann entscheiden …

In ihrem Unternehmen wird über Kennzahlen geführt? Es ist Ihre Aufgabe, diese zu definieren, zu kontrollieren und den Mitarbeitern Feedback über den Status Quo zu geben, Aktionen einzufordern oder zu planen? Diese Form der Führung setzt verstärkt auf das Moment der Kontrolle. Allerdings klären Zielvereinbarungen, welche Erwartungen an den Mitarbeiter gestellt und welche Konsequenzen folgen, wenn diese erfüllt oder nicht erfüllt werden. Vorsicht ist geboten, wenn bei Mitarbeitern das Gefühl entsteht: „wir schaffen und die da oben …“. Für den Teamleiter ist diese Zwitterposition schwer, denn häufig werden Ziele nicht vereinbart, sondern top – down vorgegeben. Die Grundidee von Unternehmen, die so agieren, stammt aus der Lernpsychologie: Wünschenswertes Verhalten wird bspw. über Geldboni oder Incentives verstärkt, um bestimmte Verhaltensweisen oder Unternehmensziele zu erreichen. Dieses Geben und Nehmen ist ein uraltes Prinzip der Beeinflussung. Wenn Ihr Arbeitsalltag ähnlich aussieht dann setzen Sie auf das sogenannte transaktionale Führungsmodell. Bass (1985) beschreibt, dass transaktionale Führer die Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeiter erfüllen wollen unter der Voraussetzung, dass der Job getan wird.

 

Gemeinsam statt einsam …

Sie interessieren sich für den Mitarbeiter in seiner Ganzheit als Person, für sein Leben, seinen Arbeitsstil? Empfinden Sie es als wichtige Aufgabe, die sozialen Kompetenzen Ihrer Mitarbeiter zu stärken? Sie möchten Mitarbeiter weg-führen von Bedürfnissen wie Bequemlichkeit und Ich-Zentriertheit, hin-führen zu Bedürfnissen wie Kommunikation und Teamfähigkeit, einige sogar selbst zu Führungskräften machen? Führungspersonal, welches so handelt, nennt man auch transformational denkende Führungskräfte. Sie helfen den Mitarbeitern, blockierende Gedanken zu reflektieren, Vor- und Nachteile von Handlungsoptionen gemeinsam zu erörtern und das Denken zu verändern; sie bringen sie auf ein höheres Niveau; denken Sie an Fußballtrainer wie Ferguson, Guardiola, Klopp oder Favre. Sie verbringen regelmäßig Zeit mit ihren Mitarbeitern und kümmern sich um deren Verhalten sowie die Einstellung zu Produkten, Kunden oder Change-Projekten? Wenn Sie sich ihrer beziehungs-orientierten Vorgehensweise bewusst sind und dadurch auch Selbstsicherheit ausstrahlen, leben Sie schon den transformationalen Führungsstil.

 

Angenommen, Sie kommen in einer Woche in 100 Situationen, in denen Führung gefragt ist, wie sind die Stile bei Ihnen verteilt?

 

Der Autor:

Marcus Stobbe, Diplom-Psychologe, ist seit 1992 selbstständiger Dozent, Trainer, Coach und Teamentwickler. Für sein Konzept der Führungskräfte-Entwicklung in einem Handelsunternehmen erhielt er den Internationalen Trainingspreis des BDVT. Er ist als Ausbilder von Coaches und Führungskräften in lösungsorientierter Kommunikation nach Steve de Shazer tätig und liebt es, seine Arbeit nach den Anforderungen der Kunden individuell auszurichten.

Kommentar Schreiben


*

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.