“Digital Leadership bedeutet vor allem Vertrauen aufzubauen.”

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Neue Technologien stellen Produktionsprozesse, Teamwork und Führung auf den Prüfstand. Digital Leadership ist eine mögliche Antwort auf den umfassenden Wandel. Was macht Führung in einer digitalen Arbeitswelt aus? Unsere Expertin Dr. Sabine Hahn gibt Antworten.

 

Was verstehen Sie unter dem Begriff Digital Leadership?

Dr. Sabine Hahn: Ich würde Digital Leadership am ehesten als die Fähigkeit von Führungskräften beschreiben, in Zeiten der Digitalisierung die richtigen Entscheidungen zu treffen und dabei stets Kundenbedarfe, Interessen der Mitarbeitende sowie potentiell anderer Stakeholder im Fokus zu haben.

 

Ist das nicht immer die Aufgabe von Führungskräften?

Führung verändert sich im Zeitalter der digitalen Transformation. Zwar gibt es Kernaspekte, die Führung schon immer ausgemacht haben; z. B. Kommunikation, das Interesse an Menschen, hohe Selbstkompetenz, um den sich stetig verändernden äußeren und inneren Ansprüchen gerecht zu werden. Andere Kompetenzen gewinnen jedoch an Wichtigkeit.

 

Welche sind das?

Einerseits erweitert sich Führung um eine Digitalkompetenz. Für mich impliziert das drei Bereiche: das Wissen um digitale Tools und Medien für eine effiziente Zusammenarbeit, eine fundierte Anwendungsexpertise als auch die Fähigkeit, digitale Tools kritisch zu prüfen. Digitale Leader wägen pro und contra ab und scheuen nicht davor zurück, analoge Optionen wahrzunehmen, wenn sie Vorteile gegenüber digitalen haben.

 

Welche Aspekte machen Digital Leadership noch aus?

Orientierung zu geben, selbst wenn der Kompass fehlt. Mit Fehlentscheidungen umzugehen und den Kopf nach Rückschlägen nicht in den Sand zu stecken. Als sehr wichtig schätze ich das Thema Vertrauen ein. Hier handelt es sich zwar nicht um eine klassische Kompetenz, aber ich bin davon überzeugt, dass Vertrauen in das Team, in jeden Einzelnen und auch die Geschäftsführung unabdingbar für Unternehmenserfolg ist.

 

Wieso spielt Vertrauen so eine große Rolle?

Das Marktumfeld ist unübersichtlich, die Bewertung durch einen Einzelnen schwer möglich. Ein Ansatz ist, sich stärker über das interne Wissen auszutauschen, Kundenprobleme aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und durch die Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen zu lösen. Auch die Kooperation mit dem Wettbewerb ist für einige Unternehmen in bestimmten Bereichen denkbar. Vertrauen ist dafür grundlegend.

 

Was bedeutet das für die Führungskräfte?

Können Mitarbeitende innovativ sein, mutig und selbstständig entscheiden, wenn sie für ihre Initiative keine Rückendeckung spüren? Übernehmen sie Verantwortung, wenn ständig die eigene Expertise untergraben wird? Haben sie Zeit, sich mit Trends und neuen Entwicklungen in ihrem Arbeitsbereich zu beschäftigen? Das sind die Fragen, auf die Führungskräfte Antworten geben.

 

Und was zeichnet den Digital Leader aus?

Digital Leadership schafft die Vertrauensbasis für ein produktives Arbeitsumfeld. Der Digital Leader hat dabei vor allem die Rolle sein Team zu befähigen, zu unterstützen und zu coachen.

 

Was empfehlen Sie Führungskräften, die sich zum Digitalen Leader entwickeln möchten?

Aus meiner Perspektive ist Führungskräfteentwicklung ein zeitintensiver Prozess. Klassische Formate wie Trainings, Coachings oder auch Beratung sind dabei sicherlich hilfreich. Zudem ist regelmäßiges Feedback vom Team wichtig sowie kontinuierliche Selbstreflexion. Dazu gehört auch die Arbeit an der eigenen Widerstandsfähigkeit und ein konstruktiver Umgang mit Kritik, Niederlagen oder Fehlern.

 

Vielen Dank für die Einführung in das Thema.

 

Dr. Sabine Hahn hat über zehn Jahre Erfahrung als Managerin in der Digitalwirtschaft. Als selbstständige Beraterin und Business Coach, mit dem Schwerpunkt Digital Leadership, unterstützt sie Unternehmen bei der Führungskräfteentwicklung. Für das ime bietet sie das Seminar „Digital Leadership“ an.

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