Emotionen im Job – die Kraft der guten Gefühle

Was empfinden Sie, wenn Sie an Mitarbeiter oder Kollegen denken, die sich am Arbeitsplatz ganz auf ihre fachliche Tätigkeit konzentrieren und Emotionen völlig außen vor lassen? Ungewöhnlich? Lange wurden solche Mitarbeiter jedoch als Idealtypus angesehen. Sie hatten in erster Linie nicht zu fühlen, sondern zu funktionieren! Gefühle zu zeigen war etwas, das ins Privatleben gehörte.

 

Emotionen sind jedoch so tief in uns verankert, so dass man sie eben doch nicht „einfach zu Hause lassen kann“… Ob bewusst oder unbewusst sind sie als Gegenspieler zur Ratio in unserem Leben oft das entscheidende Leitmotiv.

 

Foto von Heidrun Vössing

Heidrun Vössing: Diplom-Pädagogin, DVNLP-Lehrtrainerin und DVNLP-Lehrcoach

Doch was bedeuten Emotionen für den beruflichen Alltag? Im Gespräch mit Heidrun Vössing gehe ich dieser Frage tiefer nach.

 

1. In Ihrem Buch „Emotions-Coaching“ sprechen Sie von einer unterschiedlichen Akzeptanz von positiven und negativen Gefühlen. Woher kommt das und warum ist es gerade im Berufsleben wichtig bewusst mit Gefühlen umzugehen?

 

Auch oder gerade im Job spielen Gefühle eine wichtige Rolle, denn sie haben einen großen Einfluss auf unsere Leistungsfähigkeit und unsere Kreativität. Negative Emotionen wie beispielsweise Angst schränken unsere Leistungsfähigkeit ein, weil wir sie als Blockade erleben. Im Gegensatz dazu sind positive Gefühle wie Freude, Neugierde oder Begeisterung wichtige Kraftquellen; sie steigern unsere Leistungsfähigkeit. Unterschiedliche Studien aus den USA kommen zu einem ähnlichen Ergebnis: Durch positive Emotionen und eine damit verbundene positive Grundhaltung können wir leichter abstrahieren, besser lernen, entscheiden und verhandeln. Und einen besonders starken Einfluss haben positive Emotionen auf unsere Kreativität. Wenn wir im Job in Bezug auf eine knifflige Aufgabe schnell kreative Lösungen brauchen, dann erweisen sich gute Gefühle als besonders nützlich.

Darüber hinaus halten uns gute Gefühle auf Dauer gesund, denn sie wirken als „Stresspuffer“, während uns schlechte Gefühle langfristig gesehen krank machen.

 

2. Und welche Rolle spielen Emotionen im Coaching?

 

Aus meiner Sicht spielen sie aus unterschiedlichen Gründen eine wichtige Rolle. Im Coaching geht es ja um Veränderung im Denken und Handeln, und damit das überhaupt möglich ist, müssen Emotionen im Spiel sein. Denn nur wenn auch die emotionalen Zentren im Gehirn aktiviert werden, sind diese Veränderungen möglich.

Menschen, mit denen ich im Coaching zusammenarbeite, haben auch oft den Wunsch emotional belastende Erfahrungen zu bearbeiten. Dies sind häufig Situationen, die eng mit negativen Emotionen wie Angst, Wut oder Enttäuschung verbunden sind. Inhaltlich betrachtet können dies Themen wie hoch gesteckte Ziele, Lampenfieber vor wichtigen Präsentationen, Konflikte am Arbeitsplatz, Rückschläge auf dem Weg zum Ziel oder Stress mit Change Management-Prozessen sein. Für all diese Themen im Coaching, die mit Stress und negativen Gefühlen verbunden sind, habe ich die Kurzzeit-Methode „Wavivid-Coaching“ entwickelt. Mit ihrer Hilfe lassen sich sowohl emotionale Blockaden als auch belastende Gedanken rasch auflösen.

 

 

3. Was können Führungskräfte tun, um Stress und negative Gefühle zu reduzieren?

 

Da gibt es eine Menge Möglichkeiten, und das ist ein wichtiges Thema in meinem Seminar „Chefsache Gesundheit – Wie Sie sich selbst und Ihre Mitarbeiter gesundheitsorientiert führen.“ Das beginnt mit einem gesundheitsbewussten Umgang mit sich selbst und auch hier spielen positive Gefühle eine große Rolle. In Bezug auf ihre Mitarbeiter können sie darauf achten, dass diese genügend Handlungs- und Entscheidungsspielräume haben, dass sie ihnen genügend Wertschätzung entgegenbringen, dass sie Entwicklungsmöglichkeiten haben und natürlich können sie gerade wegen ihrer Vorbildfunktion auch für ein gutes Klima in ihrer Abteilung sorgen.

 

 

4. Es heißt, man könne mit Engagement und Disziplin positive Gefühle in jeder Lebenslage – gerade auch wenn man „down“ ist – willentlich selbst erzeugen. Kann man also das „Glücklich sein“ lernen?

 

In gewisser Weise schon. Wenn man „Glücklich sein“ nicht als einen einmal erreichten Endzustand, sondern als Prozess versteht, dann kann man es lernen. Ein weitverbreiteter Irrtum hingegen ist die Annahme, Gefühle seinen so ähnlich wie das Wetter, also etwas, worauf man keinen Einfluss hat. Aber wir können unsere Gefühle sehr wohl beeinflussen und einiges dafür tun, um positive Emotionen und eine positive Grundhaltung zu entwickeln. Wir können unsere Aufmerksamkeit auf die kleinen Glücksmomente des Lebens richten, denn die großen Ereignisse des Lebens machen uns auf Dauer gesehen nicht glücklich; dafür sorgt ein Anpassungsmechanismus im Gehirn. Wir können die Dinge tun, die wir wirklich gerne tun, wir können uns für eine Sache engagieren, die unseren Werten entspricht oder wir können uns attraktive und erreichbare Ziele setzen –
all das löst Kaskaden positiver Emotionen aus.

 

Mehr über Heidrun Vössing können Sie hier erfahren.

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