„Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt …“

Interview mit comspace über Feelgood Management, Arbeitskultur und Teamwork

Unternehmen verfolgen die unterschiedlichsten Ansätze, wie sie sich auf steigende Marktbedingungen, Wettbewerb um Mitarbeiter und zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen einstellen. Feelgood-Management ist eine Möglichkeit die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt im Unternehmen zu pflegen und darüber den Unternehmenserfolg sicherzustellen. Ich sprach mit Sarah, Feelgood-Managerin und Andreas, Geschäftsführer von comspace über Unternehmenskultur, Feelgood und Teamwork.

 

Andreas, seit Oktober 2014 ist comspace offizieller „Goodplace to work“. Wie hoch war der Feelgood-Faktor vor Erwerb der Arbeitgeber-Auszeichnung?

 

Andreas: Das Thema Wohlfühlen am Arbeitsplatz war uns schon immer wichtig. Anfang letzten Jahres haben wir uns dann genauer mit dem Begriff Feelgood Management beschäftigt und festgestellt, wie gut das Konzept zu uns passt. Mit Feelgood haben wir das passende Gerüst für unsere comspace-typische Arbeitskultur gefunden. Dieses besondere Miteinander wollen wir uns auch dann noch erhalten, wenn wir irgendwann von 60 auf vielleicht 120 Kolleg_innen gewachsen sind.

 

Welche Hoffnungen verbindest du mit der Initiative? Was verspricht sich comspace von der Auszeichnung?

 

Andreas: Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt und die Auszeichnung als “Goodplace to work” dokumentiert das. Wir hoffen, dass Feelgood Management uns langfristig dabei hilft, die bestehenden Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und neue Leute auf uns aufmerksam zu machen. Ob comspace das Zeug zum Goodplace hat, war übrigens keine Entscheidung des Managements. Hier war die Stimme der Mitarbeiter ausschlaggebend. Das Goodplace-Team hat uns bei der internen, anonymen Befragung unterstützt und dabei geholfen herauszufinden, in welchen Bereichen unserer Unternehmenskultur wir punkten können und was noch ausbaufähig ist. Der Blick von außen war da sehr hilfreich.

 

comspace 

Goodplace analysiert Unternehmen nach Kriterien wie Flexibilität, Arbeitskultur oder Offenheit und stützt sich dabei auf Mitarbeiterbefragungen. Sarah, welche Projekte hast du zuerst in Angriff genommen?

 

Sarah: Bei unserer ersten Befragung haben die Punkte Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Arbeitskultur am besten abgeschnitten. Ich habe deshalb erst einmal an diese Pluspunkte angeknüpft und im Rahmen der Punkte Gemeinschaft und Zusammenarbeit ein gemeinsames Team-Event im Hochseilgarten organisiert. Dazu kamen dann Gespräche mit neuen Kollegen, um sie einerseits schneller ins Team zu integrieren und andererseits unseren Onboarding-Prozess auf längere Sicht zu verbessern. Auch Projekte wie die Umgestaltung des Innenhofs gemeinsam mit unserer Garten-Gruppe sind in der Anfangszeit entstanden.

 

Andreas, kannst du schon ein Fazit ziehen? Was hat sich durch die Arbeit einer offiziellen Feelgood Managerin innerhalb des Unternehmens verändert?

 

Andreas: Da muss ich klar das Thema Vertrauensperson herausstellen. Wir merken, dass die Kollegen es schätzen und toll annehmen, mit Sarah eine feste und neutrale Ansprechpartnerin im Unternehmen zu haben, die ein offenes Ohr für die teils auch sehr persönlichen Themen hat. Das ist auch ein Grund, warum Sarah nicht weisungsgebunden ist. Sie berichtet weder an die Geschäftsführung noch an die Personalabteilung und kreist mehr wie ein unabhängiger Satellit durchs Unternehmen.

 

Wie wurde die neue Managementstelle von den Kollegen aufgenommen? Gab es Widerstände?

 

Sarah: Grundsätzlich gibt es bei uns sehr flache Hierarchien und wir legen viel Wert auf Offenheit und Mitbestimmung. Das beinhaltet natürlich auch den Freiraum, sich nicht für das Thema zu begeistern. Nicht jeder trägt jede Entscheidung mit und das ist auch okay. Wer keine Lust auf Bewegungsangebote oder gemeinsames Grillen hat, nimmt dafür vielleicht mal die Möglichkeit in Anspruch, sich unter vier Augen auszutauschen. Der Begriff ist da vielleicht auch etwas irreführend. Es handelt sich ja nicht um eine Managementstelle im Sinne von Führung anderer Kollegen, sondern ich arbeite gemeinsam und teamübergreifend mit den Kollegen an verschiedenen Projekten.

 

Wie würdest du deine Rolle als Feelgood Managerin definieren?

 

Sarah: Es geht darum, unsere Unternehmenkultur zu erhalten und zu stärken, für ein gutes Gemeinschaftsgefühl zu sorgen und optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Kollegen gern zur Arbeit kommen. Die Aufgaben, die darunter fallen, sind sehr abwechslungsreich, wobei der Schwerpunkt auf der Kommunikation und dem Austausch mit Kollegen liegt. Da das Berufsbild noch recht neu ist, steht man so ein bisschen auf der grünen Wiese und muss sich überlegen, was dort wachsen soll. Das fordert sehr, lässt aber auch viel Gestaltungsspielraum. Entscheidend ist dabei, dass Feelgood Management eine Gemeinschaftsaufgabe ist und davon lebt, dass die Kollegen sich einbringen. Die Umsetzung von Projekten erfolgt gemeinsam. So kann jeder sein optimales Arbeitsumfeld selbst mitgestalten.

 

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von dir aus?

 

Sarah: Normal heißt für mich, dass fast kein Tag in der Woche “nach Plan” verläuft. Es gibt wenig Routine in meinem Job, aber genau das gefällt mir daran. Man ist in viele Themen involviert und bekommt eine Menge mit.
Was ich wirklich jeden Tag mache, ist mit Kollegen kommunizieren. Das geschieht persönlich, per Google Hangout oder E-Mail. Dabei kann es um die verschiedensten Dinge gehen. Mal ist es ein konkretes Projekt, z.B. zum Thema Akustik oder zur Gestaltung unseres Innenhofs, mal kommt jemand spontan vorbei und fragt, ob ich kurzfristig ein offenes Ohr für ein berufliches oder auch privates Problem habe.

 

Welche Kompetenzen muss man als Feelgood Manager mitbringen? Gibt es bestimmte arbeitsrechtliche Vorgaben?

 

Sarah: Aktuell ist die Berufsbezeichnung noch nicht geschützt. Somit gibt es auch keine konkreten Vorgaben, die man erfüllen muss. Dazu kommt, dass die Aufgaben und Schwerpunkte bei einem Großkonzern ganz anders aussehen können, als bei einer Agentur mit 60 Mitarbeitern. Was für die Stelle bei uns von Vorteil ist, kann in einem anderen Unternehmen wiederum unwichtig sein. Deshalb halte ich eine allgemeingültige Kompetenzliste auch nicht für sinnvoll. Woran wir uns gerne orientieren, ist das KAI-Jobprofil, das gemeinsam von Goodplace und dem Fraunhofer Institut entwickelt wurde.

Ich denke, mir persönlich hilft meine berufliche Erfahrung im touristischen Bereich und eine Service-orientierte Einstellung an vielen Stellen weiter. Dazu gehört die Kollegen immer ein bisschen wie wiederkehrende Gäste zu behandeln und dabei gleichzeitig die unternehmerischen Interessen nicht aus den Augen zu verlieren. Man muss aufmerksam sein, Einfühlungsvermögen besitzen und Informationen vertraulich behandeln. Außerdem ist eine positive Grundeinstellung von Vorteil, um auch in schwierigeren Situationen den blauen Himmel hinter den Regenwolken zu sehen.

 

Hat der Job auch Schattenseiten?

 

Sarah: Herausforderungen trifft es eher. Eine kleine Herausforderung ist es zum Beispiel, sich selbst und den Kollegen immer wieder vor Augen zu führen, dass wir schon eine Menge möglich machen und dass das nicht unbedingt selbstverständlich ist. Eine etwas größere Herausforderung ist es, mit Kritik und schwierigen Situationen umzugehen. Damit meine ich einerseits kritische Stimmen meine Stelle betreffend und andererseits Probleme und Sorgen von Kollegen, die man natürlich beheben möchte, aber gleichzeitig auch nicht zu nah an sich heran lassen darf. Dafür treffe ich mich nach Bedarf mit einem Supervisor der mir dabei hilft, Dinge distanziert zu betrachten und Lösungsansätze aufzuzeigen.

 

Feelgood-Management lebt ja auch von der Initiative der Kollegen. Gab es schon mal einen Vorschlag, den du nicht umsetzen konntest?

 

Sarah: Ja, das kommt natürlich vor. Man kann aus Zeit- und Kostengründen nicht jeden Vorschlag umsetzen und jeden Wunsch erfüllen, aber es wird jeder gehört, der eine Idee einbringen oder ein Thema voranbringen möchte. Das wird mittlerweile immer mehr angenommen und die Kollegen können auch gut einschätzen, was machbar ist und was eher nicht.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

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