Provokation – die rhetorische Akupunktur!

Vermutlich kennen Sie typische Gesprächssituationen wie diese:

  • Sie reden, aber Ihr Gesprächspartner antwortet einsilbig oder schweigt.
  • Sie reden und haben das Gefühl, Ihr Gesprächspartner rückt nicht mit dem heraus, was ihn wirklich bewegt.
  • Sie reden und Ihr Gesprächspartner blockt ab und ist gegen alle Vorschläge, die Sie machen.

 

Wie also können Sie mit Schweigen, Verschlossenheit und einer Blockadehaltung umgehen?

 

Mein Tipp: Provozieren Sie!

 

Provokation entspringt dem lateinischen Wort provocare und bedeutet hervorrufen/herausfordern. Es geht also um das gezielte und absichtsvolle Hervorrufen eines bestimmten Verhaltens bei einer anderen Person, um den Gesprächsverlauf anzukurbeln.

Die Provokation soll eine Herausforderung sein: Der richtige Reiz zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Hierbei sind Wertschätzung und die passende Dosis das Wichtigste – denn es geht nicht um das Verletzten und Beleidigen des anderen. So sollen die Worte provozieren, die Stimme und die Körpersprache Wertschätzung signalisieren.

 

Folgende Techniken können Sie ausprobieren:

 

1. Schweigen. Wenn Ihr Gesprächspartner schweigt, schweigen Sie auch – und halten es durch. In 90% aller Fälle, fängt der andere an zu reden, da er auf Dauer die Stille nicht erträgt. Dabei machen Sie ein freundliches Gesicht und behalten eine offene Körperhaltung.

 

2. Suggestive Unterstellungen. Gelten normalerweise als Tabu. Und gerade deshalb funktionieren sie. Sie bitten Ihren Gesprächspartner um eine Meinung zu einem Thema, einem Vorschlag oder einer Idee. Er weicht aus und druckst herum. So könnten Sie reagieren: „Na ja, ich dachte mir schon, dass Sie nicht richtig im Thema drin sind?“ Oder: „Sie wollen sich also nicht klar positionieren, verstehe.“ Oder: „Das Thema und Sie, das sind wohl zwei Paar Schuhe.“ Begleiten Sie es mit einem lächelnden Tonfall und einem Augenzwinkern. Dann klappt es.

 

3. Ironisches Staunen. Ihr Gesprächspartner blockiert und ist gegen das, was Sie sagen: „Das funktioniert so nicht.“, „Das ist mir egal.“, „Ich will nichts mehr davon hören.“ Ihre Reaktion könnte sein: „Aha?“, „Ach was?“, „Ehrlich?“, „Nee, sag bloß?“, „Ach guck mal an.“ „Ist nicht wahr, oder.“. Wichtig ist, dass Sie danach immer eine Pause machen, um das Staunen wirken zu lassen. Lächeln Sie freundlich und blicken Sie dem anderen in die Augen dabei. Seien Sie sicher, der andere wird sein Verhalten erklären.

 

4. Absurdes Loben. Loben Sie Ihren Gesprächspartner für die Schwierigkeiten, die er Ihnen im Gespräch bereitet. Wenn er schweigt, loben Sie ihn dafür: „Mensch, das ist ja toll, wie Sie schweigen können.“ Wenn er mit Dingen hinter dem Berg hält, loben Sie ihn dafür: „Das ist absoluter Wahnsinn, wie Sie die eigene Meinung verbergen können.“ Wenn er blockiert und alles abwehrt, loben Sie ihn dafür: „Alle Achtung, so intensiv wie Sie kann kaum einer gegen alles sein.“ Machen Sie danach eine Wirk-Pause und beenden Sie das Gespräch mit einem Dank: „Okay, das war´s für heute, ich danke Ihnen.“ Auch das ist zusätzlich provozierend. Fast immer kommt dann eine Reaktion, denn das will der andere nicht auf sich sitzen lassen. So spricht der Schweiger, so redet der Verschlossene Klar-Text, so öffnet sich der Blockierer.

 

5. Typisierendes Verallgemeinern. Schweigenden Gesprächspartnern können Sie so begegnen: „Sie wollen nichts mehr dazu sagen, wie immer. Aber das ist ja typisch für Sie.“ Verschlossenen Gesprächspartnern können Sie entgegnen: „Schade, dass Sie sich nicht klar äußern. So kenne ich Sie ja. So sind Sie eben.“ Auf blockierende Gesprächspartner können Sie so reagieren: „Ich merke schon, Ihnen kann ich es heute wieder einmal nichts recht machen. Das ist ja nichts Neues. Das ist das Besondere an Ihnen.“ Dabei ein seufzender, weicher Tonfall, ein dezentes Lächeln und der andere wird das von Ihnen entworfene Bild zurechtrücken wollen.

 

Provokation erfordert Mut. Insofern suchen Sie zum Üben erst einmal unverfängliche Situationen, bevor Sie auf dem Parkett der wichtigen Gespräche tanzen gehen. Ihr Mut wird belohnt – oder wie sagte es Salvador Dali einmal: „Wer interessieren will, muss provozieren.“

Kommentare

  1. Eine sehr gelungene Headline. Zum Thema Schweigen habe ich immer das Interview mit ZDF-Moderator Rainer Günzler „im Gespräch“ mit Boxer Norbert Grupe am 21.06.69. Legendär! http://youtu.be/9W0bFltbZWs
    Die Kunst des Schweigens will „gelernt“ sein und schließe mich Ernest Hemingway an „Man braucht zwei Jahre um sprechen zu lernen und fünfzig, um schweigen zu lernen“.

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