Wissensarbeit im 21. Jahrhundert

Unter dem Begriff new work wird momentan eine breite Diskussion zu innovativen Ansätzen der Arbeitsgestaltung geführt. Der Blog the-new-worker hat passend zum Thema eine Blogparade initiiert, an der ich mich gern beteilige. Leitfrage der Blog-Aktion ist: „Wie sieht die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter aus?“

 

Der Begriff Wissensarbeiter (knowledge worker) ist erstmals 1959 von Peter Drucker benutzt worden. Er verstand darunter beruflich tätige Menschen, die nicht für eine manuelle sprich körperliche Arbeit entlohnt wurden, sondern für die Anwendung ihres erworbenen Wissens. Heute besitzen wir ein sehr viel stärker differenziertes Bild dieser Gruppe. Das macht es meines Erachtens auch so schwierig, die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter zu beschreiben. Die Ansprüche an dieselbige sind einfach zu heterogen.

 

Deshalb lege ich kurz dar, was ich darunter verstehe. Nach wie vor hat für mich die Druckersche Devise Gültigkeit. Hinzu kommt, das meines Erachtens damit eine zeitlich und örtlich ungebundene berufliche Tätigkeit verbunden ist. Die Qualität dieser Arbeit wird nicht an der mit ihr verbrachten Zeit beurteilt, sondern am Ergebnis bewertet.

 

Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt werden?

  1. Wissensarbeiter brauchen Zugang zu allen relevanten Daten, die sie für die Erreichung des Arbeitsziels benötigen. Kundendaten, Literatur, Statistiken oder sonstige Arbeitsmaterialien liegen deshalb in einer Datencloud vor. Jeder Mitarbeiter  kann damit unabhängig vom Sitz des Unternehmens seine Arbeitsaufträge erfüllen.
  2. Wir brauchen ein neues Arbeitsverständnis. Denn machen wir uns nichts vor: In einem großen Teil der Unternehmen wird die Arbeitszeit mit der Anwesenheit im Büro gleichgesetzt. Wissensarbeit ist aber nicht immer sichtbar. Und wenn sie dann nicht mehr im Büro sondern in der eigenen Wohnung, im ICE oder im Garten stattfindet, geht damit ein Kontrollverlust einher. Zwischenmenschliches Vertrauen, prozessgebundene Ergebnisorientierung sowie eine digitale, transparente und direkte Feedback-Kultur sind deshalb unverzichtbare Elemente der Unternehmenskultur.

 

Wie sieht sie aus, die neue Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter?

Ich denke eins wird deutlich: Hat der Arbeitgeber die Voraussetzungen für Wissensarbeit im 21. Jahrhundert geschaffen, ist der individuelle Gestaltungsfreiraum des Mitarbeiters über die Arbeitsumgebung sehr hoch. Jeder hat Wohlfühlräume, in denen er besonders gut Konzentration aufbauen und Projekte zielstrebig vorantreiben kann. Diese aufzusuchen, steht jedem offen. Für mich zählen zum Beispiel die Leseräume von Bibliotheken dazu. Die betriebsame Stille bringt mich in einen Workflow, in dem ich effizient und effektiv arbeiten kann.

 

Auch die Arbeitsräume in den Unternehmen werden sich verändern. Denn wenn nicht mehr alle Mitarbeiter zu einem bestimmten Zeitpunkt anwesend sind, werden auch weniger feste Arbeitsplätze benötigt. Flexible Lösungen, die platzsparend gelagert werden  und bei Bedarf schnell anwendungsbereit sind, bieten Einsparpotenziale für Unternehmen und entsprechen der neuen Arbeitskultur. Die Munich Re hat beispielsweise vor ihrem Umzug errechnet, dass die verschiedenen Arbeitsplätze in 50 Prozent der Zeit unbesetzt sind und dies in ihre Planungen einbezogen. Mindestens ebenso wichtig werden aber Arbeitsflächen, die zum gemeinsamen Arbeiten anregen und eine offene Kommunikation ermöglichen.

 

Zu guter Letzt: Der Arbeitsplatz an sich wird digital. Dafür benötigen Unternehmen digitale Workspaces, auf denen alle Mitarbeiter vertreten und ansprechbar sind. Dieses virtuelle Unternehmen wird den persönlichen Kontakt zwischen den Mitarbeitern ergänzen und erweitern. Es dient sowohl dem Austausch von Informationen als auch dem der persönlichen Kontaktpflege. Dienste für Kurznachrichten, Besprechungen oder face-to-face-Konversationen werden über Apps eingebunden. Arbeitsprozesse und Entscheidungsfindungen werden transparent. Feedback erfolgt direkt und zielgenau. Zudem wird auf der Plattform unternehmensinternes Wissen gespeichert, geteilt und entwickelt.

 

Update vom 15.06.15

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Foto: Robert Kneschke / fotolia.de

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