Industrie 4.0 – Teil 2: Veränderte Kommunikation

In der letzten Woche habe ich Manfred Prager und Waldemar Trenkel nach dem Handlungsspielraum der Produktionsleiter gefragt. Im zweiten Teil des Interviews zum Themenbereich Industrie 4.0 beleuchten wir den Schwerpunkt Kommunikation.

 

Bislang war der Vorgesetzte der Dirigent der Wertschöpfungskette. Er hat computergestützt Informationen gesammelt, ausgewertet und die Produktionsanweisung an den Mitarbeiter delegiert. Dieser hat sie ausgeführt. Bei Industrie 4.0 kommt die Information, was, wann, wo ausgeführt wird von einem Rechner. Die Mensch-Maschine-Kommunikation wird das Verhältnis zwischen den Beteiligten verändern.

 

Manfred Prager

Manfred Prager

Prager: Die entscheidende Frage ist: Wer steuert wen? Der Computer den Menschen – oder der Mensch den Computer. Ich befürchte, dass vielerorts Algorithmen das Kommando übernehmen.

 

Waldemar Trenkel

Waldemar Trenkel

Trenkel: Gefahren sehe ich dann, wenn ein Unternehmen es nicht schafft, Strukturen und Hierarchien dem Zeitalter von Industrie 4.0 anzupassen. Das heißt auch, dass die Kommunikations- und Entscheidungswege angepasst werden müssen. In der Produktion ist schon viel vernetzt aber Entscheidungen dauern zu lang.

 

Ist das nicht eine allgemeine Tendenz? Ich habe das Gefühl, dass Verantwortlichkeiten und Entscheidungen gern verschoben werden.

 

Prager: Was ich oftmals höre und auch erlebe, ist Folgendes: das Rad der Führung klemmt gelegentlich bei der Planung der Ressourcen und den entsprechenden Entscheidungen. Der schwarze Peter wird der Produktion zugeschoben, indem sie unklare Vorgaben richten soll. Hier kann digitale Transparenz wirklich für klare Verhältnisse sorgen. Top Down und Bottom Up haben große Chancen digital zu funktionieren.

 

Trenkel: In der Tat werden Entscheidungen häufig verschoben oder nicht wahrgenommen. Das sorgt für extreme Demotivation in der Belegschaft. Ich möchte das jedoch nicht generalisieren. Ich kenne auch Führungskräfte, die sich ihrer Rolle sehr bewusst sind und Gründe für eine Nichtentscheidung den Mitarbeitern offen legen.

 

Wie sähe die Führungskraft von morgen aus?

 

Trenkel: Die Führungskraft im mittleren Management hat neben den fachlichen Kenntnissen auch eine soziale Expertise. Soft Skills werden wichtiger, um Mitarbeiter in Veränderungen mitzunehmen und zu begleiten. Führungskräfte bringen nicht nur betriebswirtschaftliche Kenntnisse mit, sondern berücksichtigen in der Prozesssteuerung auch das Wissen über digitale Technologien.

 

Wie verändert sich dadurch die Kommunikation?

 

Prager: Wir werden sehen. Wenn ich mir allerdings das Kommunikationsverhalten der Generation Smartphone anschaue, dann wird mir etwas bange. Hier wird es sehr genau auf die Werte-Kultur des Unternehmens ankommen. Neues als Ergänzung zum Bewährten zu sehen und Entwicklungen evolutionär reifen zu lassen, kommt der Natur des Menschen näher. Und solange Menschen in Unternehmen arbeiten, kann dieser Weg nicht der verkehrteste sein. Die technischen Kommunikationsmöglichkeiten sind nicht unbedingt kompatibel mit der menschlichen Wahrnehmung und Gehirnleistung.

 

Trenkel: Ich pflichte Ihnen da bei. Die Veränderung wird sich nach und nach in den Köpfen der Menschen festigen. Es braucht Zeit. Auch für die Mitarbeiter wird es sicherlich eine Umstellung werden. Wenn aber alle Beteiligten die gleiche Datenbasis vorliegen haben, wird die Kommunikation direkter, schneller und transparenter.

 

Können Sie das noch ausführen?

 

Trenkel: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der Mitarbeiter vor Ort aufgrund der vorhandenen Datenbasis direkt auf Fehler oder Verzögerungen im Prozess reagieren kann und darf. Momentan ist es doch so, dass viele erst auf die Führungskraft warten, weil der Mitarbeiter nicht entscheiden darf oder möchte. Außerdem wird es für die Führungskraft hilfreich sein, wenn Fehler in der Wertschöpfungskette direkt dargestellt werden können.

 

Sehen Sie Konfliktpotenzial?

 

Prager: Wenn der Prozess mitarbeiterorientiert abläuft und die Menschen partizipieren können, sehe ich da großes Potential. Kreativität für Spezialisten und Nischenprodukte finden mehr Raum. Das kann spannend werden für Einzelne und ganze Teams. Konflikte entstehen immer dann, wenn Veränderungen verdeckt und unehrlich angegangen werden.

 

Trenkel: Konflikte können entstehen, wenn die Mitarbeiter bei der Einführung von vernetzten Systemen im Unternehmen nicht beteiligt oder mitgenommen werden. Häufig sehen wir heutzutage in der Praxis, dass Mitarbeiter schwer mit einer Veränderung umgehen können. Führungskräfte stehen vor der Herausforderung die Vorteile einer vernetzten Arbeitswelt klar zu kommunizieren und die Mitarbeiter frühzeitig zu involvieren.

 

Nächsten Mittwoch: Freuen Sie sich schon jetzt auf den dritten und letzten Teil des Interviews, in dem ich danach frage, wie Führungskräfte eine Arbeitsumgebung schaffen können, in der Raum für Ideen und Kreativität bleibt.

 

 

Bildquelle: Michigan Municipal League, CC BY-NC-ND 2.0

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