Industrie 4.0 – Teil 3: Bleibt die Kreativität auf der Strecke?

Letzte Woche angekündigt, nun online: der letzte Teil des Interviews zum Themenschwerpunkt Industrie 4.0. Manfred Prager und Waldemar Trenkel über das Verhältnis von Kreativität zu datengesteuerten Produktionsprozessen, wünschenswertes Führungsverhalten und Robotergesetze.

 

Planung, Steuerung, Überwachung, Analyse – das wird die Arbeit in Zukunft ausmachen. Bleibt da überhaupt noch Platz für Kreativität?

 

Waldemar Trenkel

Waldemar Trenkel

Trenkel: Innerhalb der Unternehmen geht es immer mehr in die Team- und Projektarbeit. Teams werden individuelle Aufträge für den Kunden durchführen und Einzelstücke statt Masse produzieren. Mitarbeiter werden lernen, immer vernetzter entlang der Lieferkette zu denken. Aus meiner Sicht bleibt da genug Raum, der Kreativität freien Lauf zu lassen und das Beste für den Kunden und das eigene Unternehmen zu realisieren. Man bedenke nur die Möglichkeiten, die zunehmend mit der 3D-Drucktechnologie einhergehen. Teile, die vorher aus Metall gefertigt wurden, können heute durch spezielle Kunststoffe ersetzt werden. Bestehende Fertigungsmethoden müssen permanent für den Kunden angepasst werden. Da ist weiterhin Kreativität gefragt.

 

Welchen Einfluss haben dabei Führungskräfte?

 

Manfred Prager

Manfred Prager

Prager: Wenn der Faktor Mensch in produzierenden Unternehmen weiterhin wertgeschätzt wird, dann liegt in der Vernetzung die Chance, Prozesse in der Tat effektiver und reibungsloser zu gestalten. Der Produktionsleiter wird zum Team-Player, zum Soft-Skill-Spezialisten, zum Motivator, Förderer und Mentor.

 

Wie verändert sich dann die Rolle der Führungskraft?

 

Prager: Wenn das Einrichten von Maschinen weniger Zeit in Anspruch nimmt und Materialien auch immer zum richtigen Zeitpunkt vor Ort sind, schafft das Platz für Führungskreativität. Die Führungskraft kann sich wieder mehr auf die individuelle Entwicklung der Mitarbeiter konzentrieren. Vielleicht haben Führungskräfte dann wieder mehr Zeit für „Tüftelei“ und können so technische Entwicklungen und Innovationen realisieren.

 

Wenn ein Algorithmus entscheidet, wie Produktionsprozesse gestaltet werden, ist das dann überhaupt noch eine Arbeitswelt, in der Selbstbestimmung, Eigenverantwortlichkeit und Mitbestimmung gelebt werden können?

 

Prager: Das entscheidet jedes Unternehmen selbst. Es ist eine Frage der Unternehmenskultur und -werte. Ich befürchte allerdings, dass der Schritt von lernenden Algorithmen zu künstlicher Intelligenz nicht sehr weit ist. Maschinen werden dann selbständig agieren und der Mensch bleibt auf der Strecke.

 

Trenkel: Wir sollten eines nicht vergessen. Menschen programmieren Maschinen und justieren Roboter. Nicht anders herum! Die Wahrnehmung des Menschen ist von einem Programm nicht zu ersetzen. Der Mensch bleibt weiterhin der Gestalter seiner Arbeitswelt. Jedoch wird die Luft für den Menschen dünn, wenn Roboter selbstlernende Individuen werden.

 

Prager: Eines der drei Robotergesetze von Isaac Asimov lautet, der Roboter muss den Anweisungen des Menschen folgen. Dieser Satz war in der Tat lange Leitfaden von Roboterentwicklern. Das scheint sich zu wenden.

 

 

Bildquelle: Tom Cavnar, CC BY-SA 2.0

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