Führung, Persönlichkeit

Positive Psychologie im Job – Kann Arbeit glücklich machen?

Vor genau zehn Jahren kam ich zum ersten Mal mit der Positiven Psychologie in Kontakt. Das war bei dem Kongress „Positive Psychologie – Ressourcenorientierung in Beratung, Coaching, Pädagogik und Psychotherapie“ mit Prof. Dr. Martin Seligman an der FU in Berlin. Sich in Coaching und Beratung eher an den Zielen, Stärken, Kraftquellen oder an dem, was funktioniert zu orientieren, als sich an Schwächen, Defiziten und Problemen abzuarbeiten, war prinzipiell nicht neu für mich. Dennoch fand ich es beeindruckend, wie konsequent sich dieser Ansatz auf das Positive, Gute und Gelingende konzentriert.

Positive Psychologie untersucht, was ein glückliches Leben ausmacht

Seligman gilt als Begründer der Positiven Psychologie. Er kritisiert die herkömmliche Psychologie insofern, als dass sie sich nur mit den Menschen beschäftigt, die krank sind und leiden. Aber für die Menschen, in deren Leben soweit alles okay ist, habe diese Wissenschaft wenig anzubieten. Denn nicht jeder Mensch, der ohne Störungen, Belastungen oder negative Gefühle lebt, führt zwangsläufig ein zufriedenes, sinnerfülltes und glückliches Leben. Seligmann begann also jene Themen zu beforschen, die mit den positiven Aspekten des Menschseins verbunden sind, wie Optimismus, Stärken, Sinn und Erfüllung, Zukunftsorientierung oder Freude. Mit dem PERMA-Modell beschreibt er fünf Dimensionen als Basis für das „Aufblühen“ von Menschen und für ein sinnerfülltes Leben: P (positive emotions), E (engagement), R (relationship), M (meaning) und A (accomplishment).

Forschungsergebnisse der Positiven Psychologie lassen sich auf Organisationen und Unternehmen übertragen

In den letzten Jahren wird das Konzept durch neuere Forschungen wie „Positive Organizational Behaviour“ oder „Positive Leadership“ auch auf Organisationen und Unternehmen bezogen. Viele Menschen, mit denen ich heute spreche, interessieren sich für diese noch junge empirische Wissenschaft. Gleichzeitig haben sie Schwierigkeiten sich vorzustellen, wie sich die Ideen und Methoden in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Sie suchen das Glück eher im Privaten als bei der Arbeit.

Das kann ich gut nachvollziehen, denn in meiner Rolle als Coach und Beraterin werde ich immer wieder mit den Schattenseiten der Arbeitswelt konfrontiert, wie beispielsweise Arbeitsüberlastung, Stress, Konflikte im Team, Angst vor Arbeitsplatzverlust oder hohe Belastungen durch Change-Prozesse. Da könnte man meinen, Positive Psychologie wäre nur was für Menschen mit einer rosaroten Brille oder naive Romantiker.

Und dennoch gibt es eine Reihe von Studien und Best-Practice-Beispielen, die zeigen, dass Positive Psychologie in Unternehmen die Zufriedenheit der Mitarbeitenden erhöht, Potenziale weckt, die Leistungsfähigkeit deutlich verbessert, den betriebswirtschaftlichen Erfolg steigert und zu einer positiven Unternehmenskultur beiträgt.

Das PERMA-Modell in der Arbeitwelt

Positive Emotionen nutzen (positive emotions)

Wenn wir einen Zugang zu positiven Emotionen wie Freude, Stolz, Interesse oder Dankbarkeit haben und diese stärken, senkt das die Stressbelastung. Gute Gefühle puffern den Stress ab. Wir werden kreativer, denken lösungsorientierter und treffen bessere Entscheidungen.

Engagement wecken (engagement)

Engagement entsteht, wenn wir unsere Stärken im Job einsetzen können. Dann macht Arbeit Spaß, wir sind mit unserem Herzen bei der Sache und erreichen einen Flowzustand.

Beziehungen ausbauen (relationship)

Positive, tragende und unterstützende Beziehungen sind ein wichtiger Schutzfaktor in Bezug auf Stress und Burn-Out. Positive Beziehungen befriedigen unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Verbundenheit. Sie sind außerdem die Basis für ein gutes Arbeitsklima und eine Kultur des Vertrauens.

Sinn finden (meaning)

Das Gefühl etwas von Bedeutung zu tun, einen Beitrag zum großen Ganzen zu leisten und einen Sinn, in dem was man tut, erkennen zu können, stärkt die intrinsische Motivation.

Leistung geben (accomplishment)

Ziele zu erreichen, macht uns stolz und aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn. Dies wiederum ist wichtig für die Freude an der Arbeit und den Erhalt unserer Motivation.

Schon diese kurz beschriebenen Ideen machen deutlich, dass sich all diese Dimensionen beeinflussen lassen – sowohl von Führungskräften als auch von Mitarbeitenden. In meinem Seminar „Positive Leadership – Die Psychologie erfolgreicher Führung“ gehen wir gemeinsam auf Entdeckungstour. Lassen Sie sich also überraschen, mit welchen Ansätzen Sie als Führungskraft die Stärken der Mitarbeitenden fördern, positiv kommunizieren und wertschätzende Beziehungen führen.

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Zur Autorin:

Heidrun Vössing, Trainerin im Auftrag des imeHeidrun Vössing ist Lehrtrainerin, Lehrcoach (DVNLP) und Expertin für die Themen Persönlichkeitsentwicklung und Führung.

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