Wenn Führung besonders schwer wird

Trennungsgespräche sind Termine im Kalender, die keiner gerne wahrnimmt. Sie sind unangenehm. Sie kosten Kraft. Und sie gehören trotzdem zu den Momenten, in denen Führung besonders sichtbar wird.

Nicht, weil Führungskräfte in solchen Situationen alles richtig machen müssen. Sondern weil genau dann zählt, ob jemand Orientierung geben kann, wenn es schwierig wird.

Ein Trennungsgespräch ist kein normales Mitarbeitendengespräch. Es geht nicht um Feedback, Entwicklung oder eine schwierige Zusammenarbeit. Es geht um eine Entscheidung, die für die betroffene Person spürbare Folgen hat. Beruflich, finanziell, emotional. Manchmal auch biografisch.

Gerade deshalb reicht es nicht, „einfach professionell“ zu bleiben. Zu viel Sachlichkeit kann kalt wirken. Zu viel Vorsicht kann verunsichern. Und zu viele Erklärungen können den Moment eher schwerer machen als leichter.


Zwischen Ausweichen und Abwickeln

Was wir in der Praxis immer wieder beobachten: Viele Führungskräfte fallen in eines von zwei Extremen.

Die einen weichen aus. Sie sprechen so indirekt, so vorsichtig, dass die Botschaft kaum ankommt. Es wird lange eingeleitet, erklärt, vorbereitet. Aus guter Absicht. Aber beim Gegenüber entsteht vor allem Unsicherheit.

Die anderen sind zu direkt. Sehr sachlich, sehr kurz, sehr korrekt. Die Botschaft ist dann zwar klar, aber der Mensch gegenüber kommt kaum noch vor.

Beides hinterlässt etwas. Bei der betroffenen Person, aber auch bei der Führungskraft selbst.

Denn Trennungsgespräche sind selten nach dem Gespräch vorbei. Sie wirken nach. Im Team. In der Organisation. Und bei den Menschen, die sie führen mussten.


Die eigentliche Vorbereitung beginnt früher

Es fängt schon deutlich vor dem eigentlichen Gespräch an.

Wer führt das Gespräch überhaupt? Die Geschäftsführung oder die direkte Führungskraft? Welche Rolle übernimmt HR? Was ist rechtlich bereits geklärt? Welche Informationen dürfen genannt werden, und welche nicht? Was darf auf keinen Fall versprochen werden?

Das klingt nach Organisation. Im Gespräch selbst wird daraus Sicherheit.

Denn wer erst im Raum merkt, dass zentrale Punkte unklar sind, gerät schnell ins Schwimmen. Und genau das ist in Trennungsgesprächen gefährlich. Nicht, weil jede Antwort perfekt sitzen muss. Sondern weil Unsicherheit auf der einen Seite fast immer Unsicherheit auf der anderen Seite verstärkt.

Es geht also nicht nur um Haltung und Empathie. Es geht auch um rechtliche Grundlagen, klare Sprache ohne falsche Versprechungen und um die Fähigkeit, standzuhalten, wenn Emotionen hochkommen.

Fünf Fragen vor dem Gespräch
1. Was ist die Kernbotshaft in einem Satz?
2. Welche Fakten müssen genannt werden, und welche nicht?
3. Welche Reaktionen sind wahrscheinlich?
4. Welche nächsten Schritte müssen am Ende klar sein?
5. Wer ist nach dem Gespräch ansprechbar?

Wer auf diese fünf Fragen keine klare Antwort hat, ist noch nicht bereit. Und das ist keine Kritik, sondern ein ehrlicher Anhaltspunkt.


Praxisimpuls: KEO

Was hilft, wenn man mittendrin ist und nicht weiß, wie man weitermacht? In der Praxis hat sich eine einfache Orientierung bewährt: KEO.

K – KLARHEIT
Die Entscheidung eindeutig benennen. Nicht andeuten, nicht umkreisen, nicht relativieren.

E – EMPATHIE
Reaktionen zulassen, ohne die Entscheidung wieder zu öffnen.

O – ORIENTIERUNG
Nächste Schritte konkret machen: Ablauf, Fristen, Ansprechpartner, Unterstützung.


Ein Satz der hilft

„Die Entscheidung ist gefallen. Ich weiß, dass das eine schwere Nachricht ist. Deshalb möchte ich jetzt mit Ihnen in Ruhe durchgehen, was das konkret bedeutet und welche nächsten Schritte anstehen.“

Klarheit nimmt nicht die Schwere. Aber sie gibt Halt.


Was oft unterschätzt wird

Viele Führungskräfte bereiten sich vor allem auf den Anfang vor.
– Was sage ich zuerst?
– Wie formuliere ich die Botschaft?
– Wie komme ich möglichst gut in das Gespräch hinein?

Das ist wichtig. Aber der schwierigere Teil kommt oft danach.

Wenn das Gegenüber schweigt. Wenn Tränen kommen. Wenn Wut entsteht. Wenn jemand nach Gründen fragt. Oder wenn jemand anfängt zu verhandeln, obwohl die Entscheidung längst gefallen ist.

Dann hilft keine perfekte Formulierung mehr. Dann braucht es innere Klarheit, eine einfache Struktur und die Fähigkeit, im Kontakt zu bleiben, ohne die Entscheidung wieder aufzumachen.


Und wer hält die Führungskraft?

Und dann ist da noch etwas, worüber viel zu selten gesprochen wird.
Was passiert mit der Person, die das Gespräch geführt hat?

Auch das ist keine Kleinigkeit. Ein Trennungsgespräch kostet emotional und mental. Führungskräfte müssen eine schwere Entscheidung vertreten, Reaktionen aushalten, professionell bleiben und danach oft direkt weiter funktionieren.

Das wird häufig erwartet. Aber selten aufgefangen.

Dabei brauchen auch Führungskräfte in solchen Situationen einen Raum. Vorher zur Vorbereitung. Danach zur Reflexion. Nicht, um die Belastung der betroffenen Person kleiner zu machen. Sondern um ernst zu nehmen, dass solche Gespräche auch auf der anderen Seite etwas auslösen.

Ein gutes Trennungsgespräch ist kein „schönes“ Gespräch. Aber es kann ein professionelles, faires und respektvolles Gespräch sein.


Nicht schön – aber professionell

Es muss nicht angenehm werden. Das wäre der falsche Anspruch. Aber es sollte klar sein. Gut vorbereitet. Menschlich geführt. Und so gestaltet, dass die betroffene Person nicht zusätzlich durch Unklarheit, falsche Hoffnung oder sprachliches Ausweichen belastet wird.

All das lässt sich nicht improvisieren. Aber es lässt sich auch vorbereiten.

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Seminarhinweis
Genau dafür haben wir unser Live Online Training „Trennungsgespräche professionell und achtsam führen“ entwickelt. Es unterstützt Führungskräfte und HR-Verantwortliche dabei, solche Gespräche gut vorzubereiten, klar zu führen und auch mit schwierigen Reaktionen professionell umzugehen.

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Wenn Kunden am Telefon ausrasten: So bleiben Mitarbeitende souverän

Beschwerden kommen selten sachlich. Wer weiß, wie man mit Wut, Eskalation und aufgestautem Frust umgeht, ist im Berufsalltag klar im Vorteil. Heute mehr denn je.

Das Telefon klingelt. Noch bevor die Begrüßung abgeschlossen ist, prasseln Vorwürfe auf Sie ein. Der Kunde ist aufgebracht, der Ton wird rauer. Was nun?

Solche Situationen sind keine Ausnahme, sondern Alltag im Kundenkontakt. Und sie werden nicht weniger, im Gegenteil. Marion Schopen, systemische Coachin und Geschäftsführerin des Instituts für Management-Entwicklung, kennt die Dynamiken genau. Ihre Kernempfehlung: ruhig bleiben. Klingt einfach, ist es aber nicht immer.


Eine Fähigkeit, die verlernt wurde

Um zu verstehen, warum Telefonate heute oft eskalieren, lohnt ein Blick auf einen grundlegenden Wandel: Telefonieren ist für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit mehr.

Besonders bei jüngeren Generationen ist das spürbar. Wer mit Messenger, Chat und sozialen Netzwerken aufgewachsen ist, greift im Alltag kaum noch zum Hörer. E-Mails, Tickets, Sprachnachrichten: Vieles lässt sich heute schriftlich und asynchron erledigen. Das ist bequem. Doch die Übung im direkten, spontanen Gespräch geht dabei verloren.

Das Ergebnis zeigt sich in der Praxis. Wer selten telefoniert, ist in emotionalen Gesprächssituationen schneller überfordert. Missverständnisse lassen sich nicht durch ein Lächeln auflösen. Die Fähigkeit, im direkten Gespräch geduldig zu bleiben und zuzuhören, wird schlicht weniger trainiert. Spannungen entstehen schneller auf beiden Seiten der Leitung.

Wer diese Kompetenz im Team gezielt aufbauen möchte, findet beim ime das Seminar Telefontraining.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Viele Kundinnen und Kunden kämpfen sich heute erst durch automatisierte Chatbots und KI-gestützte Sprachsysteme, bevor sie einen echten Menschen erreichen. Der Frust über lange Warteschleifen, nicht verstandene Anliegen und endlose Weiterleitungen staut sich auf. Wenn dann endlich eine menschliche Stimme am Telefon antwortet, entlädt sich diese angesammelte Frustration ungefiltert und oft aus vollem Rohr. Die Mitarbeitende am Telefon trägt damit unfreiwillig die Last einer langen Eskalationsgeschichte, an der sie persönlich keinen Anteil hat.


Die Grundregel: Freundlichkeit als Gegengewicht

So unangenehm es ist: Kunden dürfen unzufrieden sein. Sie dürfen sich beschweren. Entscheidend ist, wie Mitarbeitende darauf reagieren.

„Je unfreundlicher der Kunde wird, desto freundlicher werden Sie“, sagt Schopen. Das ist kein Aufruf zur Unterwerfung, sondern eine strategische Haltung. Wer dagegenhält, eskaliert. Wer Ruhe ausstrahlt, nimmt dem Gespräch Energie. Der erste Schritt ist dabei, den Ärger des Kunden ausdrücklich anzuerkennen. Nicht um das Verhalten gutzuheißen, sondern um zu signalisieren: Ich habe verstanden, dass Sie verärgert sind.

Auch einfache Formulierungen wie „Ich verstehe, dass Sie unzufrieden sind“ oder ein ehrliches „Danke für Ihren Hinweis“ können viel bewirken. Sie nehmen Spannung aus dem Gespräch und schaffen die Grundlage, wieder auf die Sachebene zurückzukehren.

KONKRETE FORMULIERUNGEN
Statt „Das geht nicht“ lieber: „Ich schaue, was ich für Sie tun kann.“ Statt „Ich bin nicht zuständig“: „Ich verbinde Sie mit einer Kollegin, die Ihnen weiterhelfen kann.“


Nicht persönlich nehmen: leichter gesagt als getan

Besonders herausfordernd wird es, wenn Kunden laut, unfair oder respektlos werden. Dann hilft ein innerer Perspektivwechsel. Der Ärger richtet sich in den meisten Fällen nicht gegen die Person am Telefon, sondern gegen die Situation, die der Kunde gerade erlebt. Oft steckt auch der Frust über ein System dahinter, das ihn durch Warteschleifen und automatisierte Antworten getrieben hat, bevor er überhaupt jemanden erreicht.

Wer sich das bewusst macht, kann souveräner reagieren. Wer dagegen jeden Vorwurf persönlich nimmt, gerät schnell in eine defensive Haltung. Dafür braucht es Selbstreflexion: Mitarbeitende, die ihre eigenen wunden Punkte kennen, können bewusster mit Drucksituationen umgehen.


„Einen Streit mit einem Kunden gewinnt man nicht.“

Hinter der Wut steckt fast immer ein konkretes Bedürfnis: ein Problem, das gelöst werden soll, der Wunsch nach Klärung oder das Gefühl, nicht gehört worden zu sein. Wer dieses Anliegen aus der Emotionalität herausfiltert, hat die besten Chancen, das Gespräch in konstruktive Bahnen zu lenken.

Was Kunden wirklich bewegt und wie Unternehmen dauerhaft Vertrauen aufbauen, ist Thema des Seminars Die Beschwerde als Chance sehen beim ime.


Klare Grenzen sind erlaubt

So wichtig Freundlichkeit und Deeskalation auch sind: Es gibt Grenzen. Persönliche Beleidigungen, diskriminierende Aussagen oder Drohungen müssen nicht hingenommen werden. In solchen Fällen ist es legitim und richtig, das Gespräch klar und professionell zu beenden.

Ebenso kann es sinnvoll sein, dem Kunden ein Gespräch mit einer Führungskraft anzubieten, wenn die Situation festgefahren ist. Wichtig ist dabei, dass Unternehmen intern klare Regeln schaffen: Wann darf ein Gespräch beendet werden? Wann wird eskaliert? Und wie werden belastende Vorfälle aufgearbeitet? Solche Leitplanken geben Mitarbeitenden Sicherheit und verhindern, dass sie in schwierigen Momenten auf sich allein gestellt sind.


Was Unternehmen jetzt tun sollten

Die Entwicklung ist eindeutig: Telefonische Kommunikation ist für viele Menschen weniger selbstverständlich geworden. Gleichzeitig sorgen KI-Systeme im Kundenservice dafür, dass menschliche Mitarbeitende immer häufiger als letzte Eskalationsstufe fungieren, nicht als erster Kontaktpunkt. Das verändert die Anforderungen grundlegend.

Es reicht nicht, auf fachliche Kompetenz zu setzen. Deeskalation, Gesprächsführung und der sichere Umgang mit emotionalen Situationen sind keine „weichen Themen“, sondern zentrale Kompetenzen in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt. Gerade weil das direkte Gespräch seltener wird, sollten Unternehmen es gezielt trainieren.

Vielleicht liegt genau darin die neue Herausforderung: Je digitaler unsere Kommunikation wird, desto wertvoller und anspruchsvoller wird die Fähigkeit, im direkten Gespräch menschlich, klar und souverän zu bleiben.


Schwierige Kundentelefonate lassen sich nicht vermeiden. Aber sie lassen sich professionell führen. Wer ruhig bleibt, Emotionen aufnimmt, lösungsorientiert formuliert und klare Grenzen kennt, schafft die Grundlage für gute Gespräche, auch wenn das Gegenüber gerade alles andere als gut drauf ist.

Lesen Sie hier das ganze Interview im Handelsblatt


Marion Schopen
Systemische Coachin und Geschäftsführerin,
Institut für Management-Entwicklung