Trainingskonzept – Bewusster Führen

Die EUROPART GmbH ist Europas führender Händler für Nutzfahrzeugersatzteile und Werkstattbedarf. Wie bei vielen anderen Unternehmen auch geschah Führung viel zu intuitiv und oft einfach unbewusst. Mit einem umfassenden Trainingskonzept wollte die Geschäftsführung genau das verändern: Führung soll verbindlich sein, mit klar definierten Erwartungen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter – und in jedem Fall keine Einbahnstraße.

 

Unser Senior Consultant Christian Risse hat das Projekt von Anfang an begleitet und Beratung sowie Konzeption des praxisnahen und nachhaltigen Qualifizierungsprojekts übernommen.

 

Das Trainingskonzept wurde im Fachmagazin „Wirtschaft und Weiterbildung“, Ausgabe Juli/August 2016 vorgestellt. Der Beitrag kann hier eingesehen werden.

 

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Als Teamleitung mit latenten Konflikten umgehen – Ein Praxisbeispiel

Martha arbeitet im Sales-Team der Müller GmbH. Sie ist sehr strukturiert und gewissenhaft. Am liebsten ist es ihr, wenn Vorgesetzte ihre Erwartungen an sie klar zum Ausdruck bringen. In Ihrem Arbeitsverhalten tendiert sie dazu, Ergebnisse erst zu präsentieren, wenn Sie sicher ist, alle Daten berücksichtigt zu haben. Allerdings kann es vorkommen, dass sie sich dabei in Details verliert und den Abschluss des Arbeitsauftrags immer wieder hinauszögert. Martha hat von ihrer Teamleitung den Auftrag erhalten, für den Kollegen Paul eine Quartalszusammenstellung derjenigen Kunden zu erstellen, die das Produkt X gekauft haben. Der Kollege Paul wartet jetzt schon seit Tagen auf die Übersicht. Seine Geduld neigt sich dem Ende, weil er einfach nicht weiter kommt. Allerdings möchte er das gute Verhältnis zu seiner Kollegin nicht gefährden und wartet trotz aller Bedenken weiter ab.


Wie können Sie als Teamleitung solche Situationen verhindern?

 

Latente Konflikte sind wie Vulkane. Sie können jederzeit ausbrechen.

Latente Konflikte sind wie Vulkane. Sie können jederzeit ausbrechen.

Was hier geschildert wurde, ist ein klassisches Beispiel für einen latenten Konflikt am Arbeitsplatz. Latent meint, dass ein aufgetretenes Problem in der Zusammenarbeit nicht geklärt wurde. Es wandert von der Sach- auf die Beziehungsebene und läuft im Alltag unterschwellig mit. Charakteristisch für latente Konflikte ist, dass die eigentlichen Konfliktfelder nicht von allen wahrgenommen werden. Allerdings begrenzt und hemmt die diffuse Spannungslage die Leistungsfähigkeit des Teams. Latente Konflikte können deshalb mit einem aktiven Vulkan wie dem Ätna verglichen werden, bei dem zwar über einen langen Zeitraum Gase austreten, aber kein Ausbruch stattfindet.

 

Verdeckte Konflikte bereiten großen wirtschaftlichen Schaden

Die wahren Dimensionen eines Konflikts sind nicht immer sichtbar - ähnlich wie beim Eisberg.

Die wahren Dimensionen eines Konflikts sind nicht immer sichtbar.

Schon 2006 wurde in einer Studie nachgewiesen, dass die direkten Effekte latenter Konflikte auf die Team-Performance weit stärker sind, als die Effekte offen ausgetragener Konflikte. Sichtbare Konflikte bilden im Teamalltag nur die Spitze des Eisbergs. Die darunter liegenden, nicht sichtbaren Konfliktfelder besitzen weitaus mehr Gefährdungspotenzial für den unternehmerischen Erfolg. Deutlich werden sie nur, wenn sie sich zum Beispiel in einer gestörten Zusammenarbeit manifestieren:

  • wichtige Anweisungen werden nicht kommuniziert
  • Projektstände sind unklar
  • der betroffene Kollege erfährt nichts von dem wichtigen Telefonanruf des Kunden

 

Als Teamleitung sollten Sie die wahrgenommenen Probleme auf der Sachebene thematisieren, statt sie zu verschweigen: Teilen Sie Ihre Bebachtungen mit und vermuten Sie, worin die Gründe für die Störung liegen könnten. Fragen Sie nach, ob ihre Mitarbeiter den gleichen Eindruck haben oder ob Sie mit Ihrer Einschätzung alleine dastehen.

 

Werden Sie präventiv tätig

Wissen Sie was Ihre Mitarbeiter bewegt?

Wissen Sie was Ihre Mitarbeiter bewegt?

Eine zweite Handlungsoption besteht darin, präventiv Teamstrukturen aufzubauen, welche die Konfliktfelder ausgleichen. Latente Konflikte erfordern von Führungskräften eine geschärfte Sensibilität. Nehmen Sie sich Zeit, ihre Mitarbeiter kennenzulernen. Im persönlichen Gespräch erfahren Sie, was sie bewegt, was ihnen wichtig ist oder was sie antreibt. Nur dann können Sie als Führungskraft die Persönlichkeitsstrukturen der Mitarbeiter einschätzen und sind in der Lage, potenzielle Konfliktfelder zu erkennen. Mit diesem Wissen können Sie Arbeitsprozesse schaffen, in denen Sie die Hindernisse für eine ungestörte Zusammenarbeit im Vorfeld ausräumen.

 

Eine für das Fallbeispiel präventive Vorgehensweise sähe dann so aus: Sie wollen für einen Bericht Daten von einem Mitarbeiter zusammenstellen lassen. Martha scheint aufgrund ihrer Arbeitsweise die richtige Mitarbeiterin zu sein. Sie wissen aber auch, dass Sie in ihrem „Sammeleifer“ das Ziel aus den Augen verlieren könnte und Selbstorganisation vermissen lassen würde. Deshalb entscheiden Sie sich für eine engere Zusammenarbeit und setzen auf konkrete Anweisungen. Gemeinsam mit Martha legen Sie die Vorgehensweise fest.

  • Wie soll das Arbeitsergebnis aussehen?
  • Welche Daten sind relevant?
  • Wie sollen sie strukturiert werden?
  • Wann ist Abgabetermin?

 

Mit dieser Vorgehensweise punkten Sie doppelt. Sie sprechen die inneren Motivatoren Ihrer Mitarbeiterin an und gleichen die Verhaltenspräferenzen aus, die einen Konflikt mit Kollegen wahrscheinlich machen würden.

 

Sie wollen Ihr Handlungsrepertoire für die Lösung von Konflikten erweitern? Dann schauen Sie sich doch einmal unsere Offenen Seminare im Bereich Konfliktmanagement an. Für größere Gruppen erstellen wir individuelle Inhouse-Lösungen. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Sieben Fragen an unseren neuen Kollegen Stephan Labrenz

Mit Stephan Labrenz verstärken wir unser Trainings-Know-How in den Bereichen Kommunikation, Führung, Persönlichkeits- und Teamentwicklung. Stephan wird für das ime als Trainer in Offenen Seminaren eingesetzt sowie im inhouse-Team Entwicklungsprogramme und Weiterbildungsmaßnahmen konzipieren und durchführen.

 

Weshalb hast du Psychologie studiert?

Das Interesse am Menschen, vor allem im Kontext von Organisationen hat mich zur Psychologie geführt. Nach dem Abitur habe ich erste Berufserfahrungen im Vertrieb sammeln können und bin so mit den Grundlagen der Kommunikations- und Verkaufspsychologie in Berührung gekommen. Mir war damals sofort klar, dass ich unbedingt tiefer in diese Themen einsteigen wollte. Nichtsdestotrotz wollte ich nicht zu fachspezifisch studieren und mir weitere berufliche Wege offen halten. Das thematisch unglaublich breit aufgestellte Studium der Psychologie hat mich deshalb total gereizt.

 

Wieso bist du Trainer?

Als Trainer habe ich die Möglichkeit, die Essenz psychologischer Tätigkeiten auszuüben. In meiner Arbeit versuche ich die Gedanken, Gefühle und Handlungen des Menschen zu verstehen und vorherzusagen, um dann gemeinsam Handlungsoptionen zu erarbeiten, die das Leben einfacher machen. Somit kann ich einen Teil dazu beitragen, dass Menschen ihre beruflichen und privaten Ziele erreichen und sich dabei auch noch wohl fühlen.

 

Warum Osnabrück?

„Zu Hause ist es doch am schönsten“ ist ein altes Sprichwort. Ich bin in Osnabrück geboren, habe dort die Schule besucht, den Zivildienst absolviert, einige Jahre dort in unterschiedlichen Funktionen gearbeitet und meine Familie und Freunde sind eng mit dieser Stadt verbunden. So gern mich das Fernweh immer wieder in andere Regionen und Länder zieht, freue ich mich einfach jedes Mal auf mein zu Hause – und das wird immer Osnabrück bleiben, auch wenn ich vielleicht nicht immer hier leben werde. Der Aspekt, dass ich beruflich mit dem ime wieder in meine Studienheimat Bielefeld zurückgekehrt bin und der Trainerjob viele Reisetätigkeiten mit sich bringt, gibt mir zudem die notwendige Distanz zu Osnabrück, die manchmal auch gut tun kann.

 

Welche drei Worte beschreiben dich am besten?

Neugierig. Offen. Kritisch.

 

Was findest du total überbewertet?

Planbarkeit. „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“, sagte angeblich schon John Lennon. Wir alle sind letztendlich in komplexe dynamische Systeme eingebunden, deren Funktionsweisen wir nur ganz schwierig verstehen und kaum vorhersehen können. Das fängt beim Wetter an, geht über die Börsenkurse und hört bei uns selbst auf, denn unser Gehirn ist ebenso ein solches System. Einfache Ursache-Wirkungsprinzipien gibt es nicht. Sicher kann man sich im Privaten und im Beruf Ziele setzen und diese mit einem systematischen Plan verfolgen. Dennoch müssen wir lernen, schnell auf Veränderungen zu reagieren und zur Not den Plan komplett zu verwerfen. Vielleicht ist das Thema Big-Data bald so ausgereift, dass wir fundierte Vorhersagen machen können, aber bis dahin bleibt uns in komplexen Entscheidungssituationen, die statistisch nicht zuverlässig zu erfassen sind, nur unser phylogenetischer Trick 17 – die Intuition!

 

Wer ist dein Vorbild?

Eine einzige, spezielle Person, die ich als mein Idol bezeichnen könnte, gibt es nicht. Dennoch beeindrucken mich vor allem Lebensgeschichten von Menschen, die aus einfachen Verhältnissen kommen und es aus eigener Kraft geschafft haben, sich ein facettenreiches, buntes Leben aufzubauen. Dazu zählen beispielsweise der Nobelpreisträger Eric Kandel, der ehemalige Basketballspieler und Unternehmer Magic Johnson oder auch Barack Obama.

 

Eine Lebensgeschichte, die mich besonders inspiriert hat, ist die von Dr. Eric Thomas. Eric Thomas ist in einem sozialen Brennpunkt in Detroit aufgewachsen, hat später die High-School ohne Abschluss verlassen und zwischenzeitlich sogar auf der Straße gelebt. Trotzdem hat er es später geschafft, die Universität zu besuchen, sich als Coach und Speaker zu positionieren, sein eigenes Unternehmen aufzubauen und letztendlich auch zu promovieren. Gleichzeitig ist er nach eigener Aussage ein glücklich verheirateter Familienvater, was ich sehr sympathisch finde. Auch wenn ich seinen Trainerstil, zumindest für europäische Verhältnisse, ein wenig zu „marktschreierisch“ halte, sein Lebensweg hat mir schon imponiert.

 

Wie verbringst du deine Wochenenden?

Ich verbringe das Wochenende gern mit meiner Familie und Freunden. Ansonsten vertreibe ich mir gern die Zeit mit „klassischen“ Hobbies. Sport und leckeres Essen – natürlich auch das vorangehende Kochen – sind mir für meinen Ausgleich sehr wichtig, genauso wie das Lesen guter Sachbücher.

Absichtsloses Verkaufen – Wie Verkäufer mit weniger Kontrolle mehr Erfolg haben werden

Warum Verkaufsdruck schnell zu Kontrollzwang führt

Verkäuferinnen und Verkäufer stehen unter Ergebnisdruck. Sie arbeiten mit Zielvereinbarungen, Umsatzvorgaben, Forecasts und erfolgsabhängigen Vergütungen. Erfolge werden sichtbar – ausgebliebene Abschlüsse ebenfalls.

Unter diesen Bedingungen ist es nachvollziehbar, dass Vertriebsmitarbeitende Kundengespräche möglichst genau planen und steuern möchten. Das Ziel ist klar: Der Kunde soll sich für das Angebot entscheiden.

Eine gute Vorbereitung ist selbstverständlich sinnvoll. Problematisch wird es jedoch, wenn aus einem Gesprächsleitfaden ein starres Drehbuch wird. Weicht der Kunde von der geplanten Richtung ab, entsteht schnell das Bedürfnis, ihn wieder „auf Kurs“ zu bringen.

Genau dann kann ein Gespräch an Offenheit verlieren.

Warum sich Kundengespräche nicht vollständig planen lassen

Verkaufsgespräche werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst:

  • den unterschiedlichen Erwartungen der Beteiligten,
  • bisherigen Erfahrungen und Vorbehalten,
  • persönlichen Bedürfnissen,
  • veränderten Rahmenbedingungen,
  • neuen Informationen,
  • der aktuellen Gesprächssituation.

Selbst die beste Vorbereitung kann deshalb nicht vorhersehen, wie ein Gespräch tatsächlich verläuft.

Vielleicht interessiert sich der Kunde für einen völlig anderen Aspekt als erwartet. Möglicherweise äußert er Bedenken, mit denen niemand gerechnet hat. Oder im Gespräch wird deutlich, dass das ursprünglich angebotene Produkt sein eigentliches Problem gar nicht löst.

Wer dann unbedingt am eigenen Plan festhält, hört häufig nicht mehr genau genug zu. Die Gesprächsstruktur wird wichtiger als das tatsächliche Kundenanliegen.

Was absichtsloses Verkaufen bedeutet

Absichtsloses Verkaufen heißt nicht, ohne Ziel, Vorbereitung oder wirtschaftliches Interesse in ein Kundengespräch zu gehen.

Natürlich möchten Verkäuferinnen und Verkäufer Aufträge gewinnen. Entscheidend ist jedoch, wie sie mit diesem Ziel umgehen.

Absichtsloses Verkaufen bedeutet:

  • nicht jede Gesprächsphase kontrollieren zu wollen,
  • dem Kunden Raum für seine Perspektive zu geben,
  • aufmerksam auf neue Informationen zu reagieren,
  • die eigene Lösung nicht vorschnell in den Mittelpunkt zu stellen,
  • ergebnisoffen zu prüfen, was tatsächlich zum Kunden passt.

Die innere Haltung könnte lauten:

Ich möchte mit Ihnen ins Geschäft kommen. Zunächst möchte ich aber verstehen, ob und wie wir Ihnen wirklich helfen können.

Damit verschwindet der Verkaufswille nicht. Er dominiert nur nicht mehr das gesamte Gespräch.

Vorbereitung gibt Orientierung – aber kein starres Drehbuch

Wer ohne jede Vorbereitung in ein Kundengespräch geht, überlässt den Erfolg dem Zufall. Eine professionelle Vorbereitung bleibt daher wichtig.

Hilfreich sind insbesondere Fragen wie:

  • Was wissen wir bereits über den Kunden?
  • Welche Herausforderungen könnten für ihn relevant sein?
  • Welche Gesprächsziele verfolgen wir?
  • Welche offenen Fragen müssen wir klären?
  • Welche Informationen brauchen wir für eine fundierte Empfehlung?
  • Welche nächsten Schritte wären realistisch?

Diese Vorbereitung schafft Orientierung. Im Gespräch selbst sollte sie jedoch flexibel bleiben.

Ein Leitfaden ist eine Landkarte, keine festgelegte Bahnstrecke. Er hilft bei der Navigation, muss aber angepasst werden können, wenn sich neue Wege oder Hindernisse zeigen.

Weniger kontrollieren, aufmerksamer zuhören

Wer ein Gespräch unbedingt in eine bestimmte Richtung lenken möchte, wartet häufig nur auf die passende Gelegenheit für das nächste Argument.

Aufmerksames Zuhören funktioniert anders. Es erfordert die Bereitschaft, die eigenen Annahmen für einen Moment zurückzustellen.

Achten Sie darauf:

  • welche Begriffe der Kunde verwendet,
  • welche Themen er mehrfach anspricht,
  • wo er zögert oder besonders ausführlich wird,
  • welche Erfahrungen seine Erwartungen prägen,
  • welche Risiken er vermeiden möchte,
  • was ihm bei einer Entscheidung wirklich wichtig ist.

Häufig liegt die entscheidende Information nicht in der ersten Antwort. Sie wird erst sichtbar, wenn Vertriebsmitarbeitende nachfragen und Pausen aushalten.

Mit guten Fragen Kundenbedürfnisse erkennen

Absichtsloses Verkaufen lebt nicht vom Schweigen allein. Es braucht Fragen, die das Gespräch öffnen und den Kunden zum Nachdenken einladen.

Beispiele hierfür sind:

  • „Was möchten Sie mit der Lösung konkret erreichen?“
  • „Was funktioniert heute noch nicht so, wie Sie es benötigen?“
  • „Welche Erfahrungen haben Sie mit bisherigen Lösungen gemacht?“
  • „Was ist für Sie bei der Entscheidung besonders wichtig?“
  • „Welche Bedenken müssten wir noch ausräumen?“
  • „Woran würden Sie erkennen, dass die Zusammenarbeit erfolgreich ist?“
  • „Was wäre für Sie ein sinnvoller nächster Schritt?“

Gute Fragen dienen nicht dazu, den Kunden unauffällig zur vorbereiteten Antwort zu führen. Sie helfen beiden Seiten, die Situation genauer zu verstehen.

Nicht jedes Kundenproblem braucht sofort eine Antwort

Verkäuferinnen und Verkäufer fühlen sich häufig verpflichtet, auf jede Frage unmittelbar eine Lösung zu präsentieren.

Dabei kann es professioneller sein, einen Moment innezuhalten, nachzufragen oder offen zu sagen:

„Darauf möchte ich Ihnen keine vorschnelle Antwort geben. Lassen Sie uns zunächst genauer klären, was Sie benötigen.“

Auch Unsicherheit darf sichtbar werden. Entscheidend ist, dass sie nicht mit Hilflosigkeit verwechselt wird.

Wer transparent bleibt, statt eine schnelle Scheinlösung anzubieten, stärkt häufig das Vertrauen.

Kundenorientierung bedeutet auch, auf einen Abschluss zu verzichten

Nicht jedes Angebot passt zu jedem Kunden. Manchmal zeigt sich im Gespräch, dass der Bedarf anders gelagert ist, wichtige Voraussetzungen fehlen oder die Erwartungen mit der angebotenen Leistung nicht erfüllt werden können.

In solchen Situationen kann es richtig sein, von einem Abschluss abzuraten.

Das kostet möglicherweise kurzfristig Umsatz. Langfristig schützt es jedoch die Kundenbeziehung, die eigene Glaubwürdigkeit und den Ruf des Unternehmens.

Eine klare Aussage kann beispielsweise lauten:

„Nach dem, was Sie beschrieben haben, halte ich unsere aktuelle Lösung nicht für die beste Wahl. Ich würde Ihnen empfehlen, zunächst einen anderen Schritt zu gehen.“

Diese Offenheit wird von Kunden häufig stärker wahrgenommen als jede ausgefeilte Verkaufstechnik.

Klar kommunizieren statt subtil lenken

Absichtsloses Verkaufen bedeutet nicht, passiv zu bleiben. Verkäuferinnen und Verkäufer dürfen Position beziehen, Empfehlungen aussprechen und ihre Argumente klar formulieren.

Der Unterschied liegt darin, dass die Argumentation auf dem tatsächlichen Kundenbedarf aufbaut.

Statt alle Produktvorteile nacheinander vorzustellen, können Sie sagen:

„Sie haben beschrieben, dass Ihnen vor allem eine einfache Einführung und eine hohe Akzeptanz im Team wichtig sind. Deshalb halte ich diese Variante für besonders geeignet.“

So entsteht eine nachvollziehbare Verbindung zwischen Kundenanliegen und Lösung.

Der Kunde wird nicht mit Informationen überhäuft, sondern bei seiner Entscheidung unterstützt.

Souverän mit Einwänden umgehen

Einwände werden unter Verkaufsdruck schnell als Hindernis wahrgenommen, das beseitigt werden muss.

Eine offene Haltung betrachtet sie zunächst als zusätzliche Information.

Statt sofort zu widersprechen, können Sie fragen:

  • „Was genau macht Ihnen dabei Bedenken?“
  • „Welche Erfahrung steckt hinter dieser Einschätzung?“
  • „Welche Voraussetzung müsste erfüllt sein, damit die Lösung für Sie interessant wird?“
  • „Welcher Teil unseres Vorschlags passt für Sie noch nicht?“

Erst wenn Sie den Hintergrund des Einwands verstanden haben, können Sie sinnvoll darauf reagieren.

Manchmal fehlt dem Kunden lediglich eine Information. Manchmal besteht ein echtes Risiko. Und manchmal passt das Angebot tatsächlich nicht. Alle drei Fälle erfordern unterschiedliche Antworten.

Praktische Grundsätze für das Verkaufen ohne Druck

Diese Grundsätze helfen dabei, Kundengespräche offen und zugleich professionell zu führen:

  1. Bereiten Sie sich gut vor, ohne den Gesprächsverlauf festzuschreiben.
  2. Klären Sie zunächst die Situation des Kunden, bevor Sie Lösungen präsentieren.
  3. Stellen Sie offene und vertiefende Fragen.
  4. Hören Sie auf Antworten, statt nur auf Stichworte für Ihr nächstes Argument zu warten.
  5. Fassen Sie zusammen, was Sie verstanden haben.
  6. Begründen Sie Empfehlungen aus der Perspektive des Kunden.
  7. Sprechen Sie Unsicherheiten und Grenzen offen an.
  8. Akzeptieren Sie, dass nicht jedes Gespräch zu einem Abschluss führen muss.
  9. Vereinbaren Sie klare und realistische nächste Schritte.

Diese Form des Verkaufens ist weder planlos noch beliebig. Sie verbindet Struktur mit Offenheit und wirtschaftliche Ziele mit ehrlicher Kundenorientierung.

Fazit: Weniger Kontrolle schafft mehr Raum für gute Entscheidungen

Wer Kundengespräche vollständig kontrollieren möchte, läuft Gefahr, die entscheidenden Signale zu übersehen.

Verkaufen ohne Druck bedeutet, gut vorbereitet und zugleich offen in ein Gespräch zu gehen. Verkäuferinnen und Verkäufer stellen die richtigen Fragen, hören aufmerksam zu und entwickeln Lösungen gemeinsam mit dem Kunden.

Dadurch entsteht kein Abschluss um jeden Preis. Es entsteht eine Entscheidung, die beide Seiten nachvollziehen und mittragen können.

Wer diese Haltung mit konkreten Werkzeugen für professionelle Kundengespräche verbinden möchte, kann sie im Seminar „Kunden überzeugen durch klare Kommunikation“ praktisch vertiefen. Die Teilnehmenden trainieren, Bedürfnisse mit passenden Fragen zu erkennen, Gespräche klar zu strukturieren, Nutzen verständlich zu vermitteln und auch bei Einwänden oder kritischen Rückfragen authentisch und souverän zu bleiben.